Was ist ein Verbandbuch?
Alles über die gesetzliche Pflicht zur Dokumentation von Arbeitsunfällen und Erste-Hilfe-Leistungen in Deutschland.
Ein Verbandbuch (auch Erste-Hilfe-Buch oder Unfallbuch genannt) ist ein Dokument, in dem alle Arbeitsunfälle, Verletzungen und Erste-Hilfe-Leistungen in einem Betrieb dokumentiert werden. Es ist gesetzlich vorgeschrieben — und zwar für jeden Betrieb in Deutschland, egal ob Handwerker, Arztpraxis, Schule oder Großkonzern.
Gesetzliche Grundlage
Die Pflicht zur Führung eines Verbandbuchs ergibt sich aus DGUV Vorschrift 1 (§24 Abs. 6) sowie §26 der DGUV Vorschrift 1. Verstöße können zu Bußgeldern und versicherungsrechtlichen Problemen führen.
Warum gibt es die Verbandbuch-Pflicht?
Das Verbandbuch dient mehreren Zwecken:
- Nachweis für die Berufsgenossenschaft — Bei Arbeitsunfällen ist das Verbandbuch ein wichtiges Beweisdokument für Versicherungsansprüche.
- Arbeitssicherheit verbessern — Durch die Dokumentation lassen sich Unfallschwerpunkte erkennen und Gegenmaßnahmen einleiten.
- Rechtliche Absicherung — Der Arbeitgeber kann nachweisen, dass Erste-Hilfe geleistet wurde.
- Spätfolgen dokumentieren — Auch kleine Verletzungen können Spätfolgen haben. Das Verbandbuch sichert den Anspruch auf Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung.
Was muss im Verbandbuch stehen?
Nach DGUV Vorschrift 1 müssen folgende Angaben dokumentiert werden:
| Pflichtfeld | Beschreibung |
|---|---|
| Datum und Uhrzeit | Wann hat sich der Vorfall ereignet? |
| Name des Verletzten | Wer wurde verletzt? |
| Unfallort | Wo genau ist es passiert? (z.B. Lager, Werkstatt, Büro) |
| Hergang des Unfalls | Was ist passiert? Genaue Beschreibung. |
| Art der Verletzung | Welche Verletzung liegt vor? (z.B. Schnittwunde, Prellung) |
| Erste-Hilfe-Maßnahmen | Was wurde getan? (z.B. Wunde versorgt, Arzt gerufen) |
| Name des Ersthelfers | Wer hat Erste Hilfe geleistet? |
| Zeugen | Wer war dabei? (optional aber empfohlen) |
Wie lange muss das Verbandbuch aufbewahrt werden?
Die Einträge im Verbandbuch müssen mindestens 5 Jahre aufbewahrt werden. Danach dürfen sie gelöscht werden — aus Datenschutzgründen sollten sie das auch. Denn die Einträge enthalten personenbezogene Daten (Namen, Gesundheitsdaten), die unter die DSGVO fallen.
Papier-Verbandbuch vs. digitales Verbandbuch
Traditionell wird das Verbandbuch auf Papier geführt — als Heft oder Formularblock. Das funktioniert, hat aber Nachteile:
Papier-Verbandbuch
- ❌ Kann verloren gehen oder beschädigt werden
- ❌ Unleserliche Handschrift
- ❌ Kein Datenschutz (liegt offen herum)
- ❌ Kein automatischer PDF-Export
- ❌ Löschfristen müssen manuell eingehalten werden
- ❌ Nur an einem Ort verfügbar
Digitales Verbandbuch
- ✅ Revisionssicher gespeichert
- ✅ Von überall erreichbar (PC, Tablet, Handy)
- ✅ DSGVO-konform mit automatischer Löschung
- ✅ PDF-Export auf Knopfdruck
- ✅ Audit-Log: Wer hat wann was eingetragen?
- ✅ Mehrere Ersthelfer können gleichzeitig arbeiten
Wer braucht ein Verbandbuch?
Jeder Betrieb in Deutschland. Egal ob ein Mitarbeiter oder tausend. Die DGUV Vorschrift 1 gilt für alle Unternehmen, die bei einer Berufsgenossenschaft versichert sind — und das sind praktisch alle.
Besonders relevant ist das Verbandbuch für:
- Handwerksbetriebe — Baustellen, Werkstätten, Produktionshallen
- Kommunen und Städte — Kindergärten, Schulen, Bauhöfe, Verwaltungen
- Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen
- Einzelhandel und Gastronomie
- Büros und Dienstleister — Ja, auch im Büro passieren Unfälle
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